Als werdende Eltern haben Sie sich sicher schon viele Gedanken gemacht, wie es sein wird, wenn ihr Kind endlich auf der Welt ist.

Sicher haben Sie viele gute Gefühle, aber vielleicht  kommt Ihnen auch schon mal der Gedanke:

Wie möchte ich mein Kind erziehen?

Was möchte ich ihm mit auf den Weg geben?

Wie kann ich  aus ihm einen guten Menschen machen?

Wie möchte ich, dass mein Kind als erwachsener Mensch da steht?

Das sind viele Fragen, die Sie vielleicht auch verunsichern können. Daher möchte ich versuchen Sie in diesem Artikel aufzuklären.Wenn Sie also Fragen, Ideen oder Anregungen haben, scheuen Sie sich nicht, zu kommentieren. 

Bevor wir auf die wesentlichen Fragen kommen, möchte ich die Frage klären: 

Was verstehen wir eigentlich unter Erziehung?

Jede Erziehung beginnt mit einer Eltern-Kind/ Jugendlichen Beziehung.

Dazu gibt es verschiedene Definitionen. Mir erscheint diese am besten:

Erziehung ist eine bewusst vorgenommene Handlung, durch die Menschen versuchen, das Gefüge der psychischen Disposition andere Menschen dauerhaft zu verbessern oder als negativ beurteilte Entwicklungen in diesem Gefüge zu verhindern. Das hört sich kompliziert an, bedeutet aber nichts anderes, als das die Erzieher versuchen Kinder und Jugendliche auf den „richtigen Weg“ zu bringen, sie also dauerhaft in eine positive Richtung zu bringen. Dabei ist Erziehung nie ein einseitiges Einwirken auf Kinder, sondern es ist immer eine Interaktion, beruht also auf Wechselseitigkeit zwischen dem Erwachsenen und dem Zögling. Erziehung ist eine ganz besondere Form von Beziehung. Diese Beziehung ist ein Geben und Nehmen.

Was ist ein Erziehungsstil?

Die Definition ist sehr kompliziert und deswegen sage ich es Ihnen mit einfachen Worten. Unter dem Erziehungsstil verstehen wir die Art und Weise wie ein Kind auf Dauer erzogen wird und welche Wirkung das auf das Kind hat.

Welches der richtige oder falsche Erziehungsstil ist, kann man nicht sagen, jeder für sich, muss den besten passenden Erziehungsstil finden. Egal für welchen Stil man sich entscheidet, es wird immer Abweichungen geben. Mal ist man aus der Situation heraus etwas toleranter, ein anderes Mal vielleicht auch etwas strenger in der Erziehung. Das ist von Fall zu Fall unterschiedlich.

Unser Hauptziel oder Wunsch ist es, unsere Kinder zu glücklichen, liebenswerten, verantwortungsbewussten und selbstbewussten Menschen zu erziehen, um das zu erreichen sollte man sich mit den unterschiedlichen Erziehungsstilen auseinandersetzen. Selbstverständlich kann man, wie gerade schon erwähnt,  einen  bestimmten Erziehungsstil nicht starr beibehalten. Jeder sollte seinen persönlichen Erziehungsstil finden und authentisch dabei sein. Oft wird man aus der Situation heraus anders reagieren. Erziehungsstile sind eher ein Richtungsgeber oder eine Tendenz und sollten grundsätzlich nicht starr verfolgt werden, sondern können dabei auch veränderbar sein. Theorie und Praxis erfordern Flexibilität, denn jedes Kind ist anders. Denn es kann schwierig werden! Besser ist es also, sich genügend Gedanken zu machen, wie man erziehen möchte.

Erziehungsstil

Was gibt es für Erziehungsstile? Welchen möchte ich anwenden?

Ich möchte  Ihnen nun die folgenden  Erziehungsstile nach Kurt Lewin vorstellen. Es gibt auch noch andere Modelle von Erziehungsstilen, aber ich möchte auf diesen Erziehungsstil näher eingehen.

1. Autoritären(autokratischer Stil)

2. Sozial-integrativer( demokratische) Stil

3. Laissez-fairer-Stil

Beginnen wir mit dem autoritären Stil

Merkmale:

Dieser Stil zeichnet sich aus durch strenge Eltern, Entscheidungen werden von Eltern getroffen, der Erzieher dirigiert Tätigkeiten, greift häufig in das Handeln des Zöglings ein, Lob und Tadel wird auf die Person nicht auf die Sache bezogen, es werden hohe Erwartungen an die Kinder gestellt Kritik ist nicht konstruktiv, Erzieher ist distanziert, wenig Individualität wird zugelassen.

Auswirkungen auf das Kind sind oft: Unselbstständigkeit, keine Spontanität, Aggression können sich entwickeln, geringes Selbstbewusstsein bzw. Selbstwertgefühl.

Der sozial-integrative Stil

Merkmale:

Der Erzieher regt an und ermuntert, er führt und begleitet, Erzieher greift nur selten in das Handeln des Kindes ein. Lob und Tadel betrifft nicht die Person, sondern ist sachbezogen. Kinder werden positiv unterstützt, Kritik ist konstruktiv, Verhältnis zum Zögling eher partnerschaftlich,

Auswirkungen auf das Kind:

Sie sind spontan, selbstständig, selbstbewusst, leistungsbereit, produktiv, konstruktiv. Diese Kinder sind deutlich weniger bis gar nicht aggressiv.

Der Laissez Faire Stil

Merkmale:

Erzieher bleibt fast passiv, er steht für Ratschläge zur Verfügung, es gibt keine Grenzen, er kritisiert und er beurteilt nicht, es gibt kein Lob, kein Tadel, keine Strafen.

Auswirkungen auf das Kind:

Kind wird oft unzufrieden, es gibt keine Grenzen, leichte Aggressionen sind zu spüren, leistungsverhalten ist schlecht.

Damit haben Sie einen Überblick über die unterschiedlichen Erziehungsstile bekommen. Für welchen Sie sich entscheiden werden, das ist selbstverständlich Ihnen überlassen. Dabei werden Sie sicher auch Ihren eigenen individuellen Erziehungsstil miteinbeziehen. Denn wie schon erwähnt, lässt sich kein Erziehungsstil starr anwenden, denn jedes Kind ist anderes und auch jede Situation ist anders. Es sind lediglich Richtungsgeber. Jede Erziehung hat seine persönliche Note und wird individuell gestaltet. Sie werden Fehler in der Erziehung machen und das ist ganz normal. Aber seien sie stark und zeigen Sie Charakter; entschuldigen Sie sich auch einmal bei Ihrem Kind, wenn Sie einen Fehler gemacht haben. Ihr Kind wird es Ihnen danken.

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Warum sollte ich mir schon vor der Geburt Gedanken machen?

Ganz wichtig in der Erziehung ist, unabhängig für welchen Erziehungsstil man sich entscheidet, dass sich beide Elternteile jeweils abstimmen und in eine ähnliche Richtung gehen. Deswegen sollten sich werdende Eltern vor der Geburt Gedanken über die Erziehungsstile und auch die Erziehungsziele machen. Auch wenn nicht immer eine Einigkeit in der Erziehung besteht, sollten Eltern weitestgehend an einem Strang ziehen. Kinder sollten das Gefühl haben, dass die Eltern einer Meinung sind.

Erziehung sollte konsequent durchgeführt werden, aber eine gewisse Flexibilität ist dabei wichtig.

Erziehungsstile sind aber auch sehr abhängig von der Familienstruktur und den Bedingungsfaktoren.

Bedingungsfaktoren sind:

-Personenfaktoren des Erziehers und des Zöglings

-Persönlichkeit emotionale, kognitiver, gesundheitlicher Zustand,

-Reifegrad,

-Bildungsniveau

-situative Befindlichkeit

-Lebenssituation

-Verhältnis Erzieher/ Zögling

-Gesellschaftliche, kulturelle Hintergründe

-Historische, regionale Hintergründe

Auch die Schichtzugehörigkeit  entscheidet welchen Erziehungsstil sie pflegen.

Eine soziale Schicht wird mindestens festgelegt durch den Bildungsgrad, die ökonomische Situation (Einkommen), und die Wohnsituation. Es können aber auch andere Faktoren dazukommen.

Diese sozialen Schichten  werden von Soziologen werden folgendermaßen eingeteilt:

Oberschicht               Beispiel: Spitzenpolitiker, Großunternehmer

Obere Mittelschicht   Beispiel: Leitende Angestellte, Beamte

Untere Mittelschicht  Beispiel: Mittlere Angestellte, Ingenieure,

Obere Unterschicht   Beispiel: Facharbeiter, Handwerksgesellen

Untere Unterschicht  Beispiel: ungelernte Arbeiter

Eine Mutter aus der Mittelschicht  verfolgt sicher das gleiche Erziehungsziel, wie alle anderen Mütter der jeweiligen Schichten, aber sie wendet eine andere Methode an. Sie wird eine „indirekte“ Methode anwenden und das Gespräch mit ihrem Kind suchen und erklären oder überreden,  während die Mutter der Unterschicht eher eine „direkte“ Methode anwenden wird und ihr Kind durch Beschimpfungen oder Drohungen  bestrafen wird.

Wie schon oben genannt entscheidet auch die  Familienstruktur entscheidet darüber, welcher Erziehungsstil gewählt wird.

Die Familienstruktur wird unterschieden in:

1.Kleinfamilie (Kernfamilie Eltern mit meist eigenen Kindern)

2.Einelternfamilie ( alleinerziehender Vater oder Mutter)

3.Patworkfamilie (zusammenlebende Erwachsene mit Kinder aus vorhergehenden Ehen oder Beziehungen)

Innerhalb dieser Familienstruktur unterscheidet Talcott Parson wiederum unterschiedliche Stile. Er unterteilt die Familie in drei verschiedene Typen mit spezifischen Erziehungsstilen und hat dabei die Kernfamilie zugrunde gelegt.

Die Patriarchalische Familie

Strafinstanz ist hier der Vater, die liebevolle Unterstützung ist gering und kommt von der Mutter, Disziplinanforderungen sind hoch, die Rollendifferenzierung der Eltern scharf eingeteilt.

Die Egalitäre Familie

Strafinstanz sind hier Mutter und Vater, die liebevolle Unterstützung ist hoch und kommt von beiden Elternteilen, Die Disziplinanforderungen sind gering, die Atmosphäre ist entspannt, die Rollendifferenzierung der Eltern minimal

Matriarchalische Familie

Strafinstanz ist hier die Mutter, die liebevolle Unterstützung ist relativ gering und kommt von der Mutter, die Disziplinanforderung ist relativ hoch, die Rollendifferenzierung ist maximal, die Mutter erzieht und der Vater hält sich raus.

Matriarchalische Familie:  

Disziplinforderungen hoch. „Kinder müssen früh lernen, dass sie nicht in den Tag hineinleben können, weil sie auch später auf harte Forderungen der Arbeitswelt treffen werden.“

„Man muss sie fordern, um sie fördern zu können….“

deshalb hält die Mutter es für eine gute Idee, wenn Marie Zeitungen austrägt.

In einer matriarchalischen Familie sind die Töchter in der Regel einem größeren Druck ausgesetzt.

Nicht absoluter Gehorsam aber auch nicht zu viel hinterfragen.

Strafinstanz:  Wird durch die Mutter geregelt. Sie ruft Sven lautstark zur Ordnung, als er im Wildschweinegehege die Hand durch die Absperrung schob. (Hier geht es allerdings auch um das Wohl des Kindes).

Unterstützung, liebevolle Zuwendung:

Liebevolle Zuwendung  gibt es wenig. Unterstützung bekommen die Kinder bei den Hausaufgaben.

Rollendifferenzierung der Eltern:

Vater ist viel unterwegs, Mutter kümmert sich um Haushalt und Erziehung der Kinder. Erziehungsziele sind die Tugenden wie Ordentlichkeit, Pünktlichkeit, Sauberkeit. Aufgaben unter den Eheleuten sind klar verteilt und es halten sich auch beide daran.

Sie sehen also, dass ein Erziehungsstil von sehr vielen verschiedenen Faktoren abhängig ist und jede Familie in ihrer Konstellation, Voraussetzungen und Vorstellungen unterschiedlich ist.

2.    Erziehungsstil der Personen

Die 4 Dimensionen von Erziehungsstilen  Modell Eduard Spranger kurz erklärt

Weltnaher und isolierender Stil

Weltnah:

– von Anfang an, an die Wirklichkeit und an die Lebensverrichtungen heranführen

-durch Nachmachen und Mitmachen die Erwachsenenwelt erreichen

-Kräfte in Realsituationen erproben

kann sich positiv auswirken:

lernt sich praktisch zu bewähren stärkt das Selbstwertgefühl

kann sich negativ auswirken:

Überforderung, Verwirrung

Unsicherheit, Ängstlichkeit,

Isolierend:

Kinder brauchen Schonzeit

sich zurückgezogen und in Ruhe entwickeln

vor Gefahren behütet wirkt sich positiv aus:

systematisch, altersgerecht, entwicklungsgerechtes Lernen

bewahrt vor belastenden Elementen der Wirklichkeit (Internet, Fernsehen)

eventuell negativ:

Entwicklung am Leben vorbei, weltfremd

Mischform wäre zu bevorzugen. Von der anfänglichen behütenden Isolation in die notwendige Weltnähe.

Freier und gebundener Stil

Freier:

Erschließung eines Spielraumes für alle

Verwirklichung von Freiheit in eigner Verantwortung

Kinder sollen eigene Pläne schmieden eigene Handlungen vornehmen in Eigenverantwortung handeln, Konsequenzen tragen

Positive Folge daraus kann sein:

Eigeninitiative wird gefördert, Selbstständigkeit, Kreativität, Eigenverantwortung

Negative Folgen können sein:

Kinder haben Schwierigkeiten Regeln und Grenzen zu akzeptieren und sich anzupassen

Sie sind orientierungslos, überfordert

Gebunden:

Streng

Bindung an die Verbindlichkeiten, Familie, menschlicher Umgang, Regeln

Gehorsam wird verlangt bis Freiheit Schritt für Schritt gewährt wird

Positive Auswirkung:

Funktionstüchtigkeit

Negative Auswirkung:

Dressur, Abrichtung

Vertrauen ist gut, Informieren ist besser.

Impfen ja oder Nein ?

Der Impf – Kongress 2016

Impfkongress
Zunächst sollte das Kind durch Bindung also gebundener Stil erzogen werden und dann immer mehr zum freien Stil übergegangen werden.
 
 
Individualistischer und uniformer Stil
Individuell:
Jeder ist etwas Besonderes
Individualität soll entfaltet werden
Lebensglück soll sich erfüllen
Positive Auswirkung:
optimale Ausbildung
Lernbereitschaft
Motivation und Wille zum Lernen
Negative Auswirkung:
Wenn Kinder nur machen dürfen was sie möchten, kann es sein, dass sie Vieles nicht lernen. Z.B. das Zusammenleben mit anderen.
Uniform:
alle gleich behandeln
in gesellschaftliche, wirtschaftliche und kulturelle Organisationsstrukturen eingliedern
den Blick aufs Ganze schärfen, dadurch Anpassungsfähigkeit und Kooperationsbereitschaft lernen
Positive Auswirkung:
breite Allgemeinbildung
von allen wird das Gleiche verlangt
Rücksicht auf andere nehmen
Negative Auswirkung
Gleichgültigkeit, Antriebslosigkeit
Individualität wird nicht berücksichtig.
 
Auch hier sollte wieder das richtige Maß gefunden werden. Zunächst der uniformierte Stil dann langsamer Übergang zum individuellen Stil.
 
Vorgreifender und entwicklungstreuer Stil
 
Vorgreifend:
Kindheit ist nur eine Durchgangsphase
Kind soll schnell erwachsen werden
Positive Auswirkung:
Leistungssteigerung aber nicht Überforderung
Negative Auswirkung:
Entmutigung, Resignation, seelische Probleme
 
Entwicklungstreu:
Das Kind im Denken und Handeln belassen
Kind soll sich in Ruhe entwickeln
Positive Auswirkung:
Glückliche Kindheit
Negative Auswirkung.
Kinder werden nicht auf das Leben vorbereitet.
 
Ideal ist der Mittelweg: vorgreifend-  entwicklungstreu, wobei zu Beginn der entwicklungstreue Stil zu bevorzugen ist.

Meine Damen und Herren, ich habe nun versucht Ihnen eine groben Überblick über die verschiedenen Erziehungsstile zu geben und Ihnen versucht zu erklären welche verschiedenen Faktoren Einfluss auf die Erziehung haben.

Ich hoffe, dass es für Sie verständlich war und stehe Ihnen noch für weitere Fragen und Antworten zur Verfügung.

Ich wünsche Ihnen ganz viel Glück mit Ihren Neuankömmlingen. Es wird eine spannende, vielleicht manchmal auch anstrengende Zeit auf Sie zukommen, aber genießen Sie es. Die Zeit ist leider viel zu schnell um.

Erziehung

(C) Kain Schuh-Wampelredaktion

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