Zunächst möchte ich kurz den Begriff Konflikt erklären. Das Wort Konflikt kommt aus dem lateinischen: confligere und bedeutet aneinandergeraten, kämpfen.

Es geht also um widersprüchliche Meinungen, Interessen, Erwartungen oder Handlungen in unserem Lebensalltag und im Umgang mit anderen Personen. Man kann sich also leicht vorstellen, dass der Alltag von Konflikten geprägt ist und Konflikte zu unserem Leben dazu gehören. Dabei kann eine Person mit sich selbst oder mit anderen Personen im Konflikt stehen.

Konflikte sind aber nicht immer negativ behaftet, er kann  auch eine Chance sein und positiv betrachtet werden.

Zunächst muss die Situation bewertet werden. Ob sich eine Situation zu einem Konflikt entwickelt, hängt von der jeweiligen Person, nämlich von der persönlichen Sichtweise ab. Für wie schwerwiegend sie diese Situation betrachtet. Nicht jede widersprüchliche Situation ist gleich ein Konflikt. Wird er positiv aufgelöst handelt es sich nicht um einen solchen. Mit steigender Belastung sinkt die Fähigkeit die Situation bzw. den Konflikt zu bewältigen. Dieses persönliche Bewältigungserleben hängt von verschiedenen Faktoren ab. Nämlich den biologisch, psychisch, und sozialen Grundbedingungen und den Erfahrungen im Umgang mit Konflikten in der Vergangenheit. Entscheidend ist, wie die Herkunftsfamilie mit Konflikten umgegangen ist. Ein weiterer Punkt ist die Frage nach der Entstehung von Konflikten und die Art der Bewältigung. Sucht die Person  die Schuld bei sich selber wird sie anders damit umgehen, als wenn sie die Schuld dem Gegenüber gibt. Ein letzter wichtiger Punkt sind die materiellen und sozialen Ressourcen. Ein Vorhandensein dieser Ressourcen trägt einer positiven Konfliktlösung häufig bei.

Familie,Konflikt

Konflikte hängen aber auch von den beteiligten Personen ab, ob eine Situation als Konflikt erlebt wird und wie diese eingeschätzt wird. Mit diesen Personen bilden wir ein System. Das kann der Freundeskreis oder der Familienkreis sein. Das Familiensystem besteht beispielsweise aus Großeltern, Eltern und den Kindern. Diese beteiligten Personen haben unterschiedliche Sichtweisen auf die Dinge = subjektive Sichtweise. So sieht der Vater die gleiche Situation in der Erziehung mit seinem Kind  eventuell ganz anders als die Mutter oder die Großmutter. Jeder hat seine eigene Sichtweise. Es gibt auch nicht die richtige oder die falsche Sichtweise. Diese subjektiven Sichtweisen hängen von der individuellen Erwartung und Einstellung ab, die durch die Herkunftsgeschichte, unsere persönlichen konkreten Erfahrungen, Informationen und äußere gesellschaftliche Einflüssen geprägt werden. Die beteiligten Personen innerhalb eines Systems beeinflussen sich wechselseitig. Aus diesen wechselseitigen  Beeinflussungen ergeben sich typische Verhaltens-bzw. Interaktionsmuster. Auch die einzelnen Systeme wie Schule, Familie und Freunde beeinflussen sich  gegenseitig, da wir in der Regel in mehrere Systeme eingebunden sind.

Ein letzter Punkt sei noch genannt, denn Konflikte hängen auch von äußeren Bedingungen ab. Dazu zählen  kulturelle, soziale und politische Faktoren. Zur aktuellen Situation in Deutschland,  kann hier also die Frage gestellt werden, ob unterschiedliche kulturelle Hintergründe im Miteinander in Deutschland zu Konflikten führen können. Die Antwort ist sicher schon bekannt (aktuelle Flüchtlingspolitik).

Wird also eine Situation als Konflikt erlebt, den man alleine nicht bewältigen kann, wird man sich Hilfe suchen. Das kann zunächst im Freundeskreis sein, aber bei schwerwiegenden Konflikten auch eine Beratungsstelle. Der Erziehungsberater hat die Aufgabe, den Konflikt aus den unterschiedlichsten Sichtweisen zu betrachten, um die Entstehung des Konfliktes nachvollziehen zu können und eine Lösung zu finden.

Kommt ein Elternpaar in die Beratungsstelle, da es Probleme mit ihrem Kind hat, so reicht es nicht aus nur auf das Kind zu schauen, sondern auch die Eltern müssen mit einbezogen werden. Im Gespräch müssen Fragen geklärt werden wie: Welche Erwartungen haben die Eltern an ihr Kind? Wie ist das soziale System? Wie sind die äußeren Bedingungen? Wie ist die Herkunftsfamilie der Eltern?  Wie beeinflusst die Kultur oder die Politik? Haben die Eltern das Problem vielleicht verursacht, da sie eine zu hohe Erwartung an das Kind stellen? Haben die Eltern unterschiedliche Erwartungen an das Kind und führt das zu Konflikten? Es sind viele Fragen die geklärt werden müssen.

Es ist also wichtig, die unterschiedlichen Sichtweisen zu betrachten. Nur so kann der Berater die Entstehung des Konfliktes nachvollziehen und eine Problemlösung herbeiführen.

Konflikte gehören zum Leben dazu. Konflikte können eine Chance sein. Sie treten insbesondere am Arbeitsplatz, in der Familie, in einer Beziehung oder unter Freunden auf. Die größte Chance kann sein, wenn beide Konfliktpartner erkennen, dass die Unterschiede, die den Konflikt auslösen, in Wirklichkeit eine wertvolle Ergänzung oder Bereicherung sein können. Ein Konflikt kann somit konstruktiv sein. Die beste Lösung bei der Bewältigung eines Konfliktes ist die „Win-Win“ Situation. Es gibt keinen Gewinner und keinen Verlierer. Es wird ein Konsens gefunden, ein Kompromiss geschlossen. Es können  aus dem Du und Ich ein „Wir“ entstehen.

Beispiel:

Das Pflegepersonal meiner Schwiegereltern. Seit vielen Jahren werden meine Schwiegereltern von 3 Pflegekräften betreut. Bisher lief alles reibungslos. Seit ca ½ Jahr arbeitet eine neue Pflegekraft bei meinen Schwiegereltern.  Die Stundenzahl ist bei den jeweiligen Kräften festgelegt. Die Arbeit wurde bisher von allen Kräften gleich verrichtet. In den letzten Wochen kam es immer mehr zu Auseinandersetzungen bei dem Personal. Die neue Kraft, ich nenne sie, Kraft A, beschwerte sich darüber, dass Kraft B ihre Arbeit nur unzureichend ausführt und sie deswegen immer mehr machen müsste. Das führte dazu, dass Kraft A anfing aufzuwiegen was sie schon alles gemacht hat und was Kraft B nicht macht. Dabei blieb dann auch schon einmal Arbeit liegen und die Leidtragenden waren meine Schwiegereltern. Bei Kraft C wurde jeweils der Unmut abgeladen.  Für Kraft C war das eine unhaltbare Situation. Sie  saß zwischen den Stühlen, konnte beide Parteien verstehen und bat sie zu einem gemeinsamen Gespräch. Beide sollten die Sicht der Dinge darstellen. Aus einer beginnenden heftigen Auseinandersetzung wurde schließlich ein konstruktives Gespräch, in dem die Aufgabenverteilung nun genau definiert wurde. Außerdem wurde vereinbart, wenn es erneute Probleme gibt, wird das Gespräch sofort gesucht. Seit diesem Gespräch funktioniert die Zusammenarbeit wieder einwandfrei. Inzwischen gehen die Beiden auch abends gemeinsam einen Wein trinken.:-)

Dieser Konflikt war ein Zeichen dafür, dass etwas nicht stimmt. Es zeichnete sich ab, dass sich etwas ändern muss, denn so war eine gemeinsame Zusammenarbeit nicht mehr möglich. Durch das gemeinsame Gespräch, zu dem beide Parteien gebeten wurden, denn untereinander hätten sie es wahrscheinlich nicht geklärt, hatten beide die Chance sich zu äußern und auch gleichzeitig das eigene Handeln zu reflektieren. Sie haben mehr über die Sichtweise des anderen, aber vielleicht auch über sich selber erfahren und konnten ein Problembewusstsein entwickeln. Dieses Gespräch in seiner Analyse fördert die Persönlichkeitsentwicklung der einzelnen Personen. Durch das gemeinsame Bemühen um eine Problem- bzw. Konfliktlösung entsteht Einigkeit und Gemeinsamkeit und jeder erfährt mehr über die Gefühle und Ansichten des anderen. Aus den Konfliktgegnern wurden schließlich Konfliktpartner. Hätten jedoch beide Partner alleine das Gespräch gesucht und wären zu einer Problemlösung gekommen, wären sie vielleicht gestärkter und selbstbewusster aus der Situation herausgegangen(Spekulation). Für die Kraft C hat sich die unangenehme Situation erledigt zwischen den Stühlen zu sitzen. Aus dem zerrissenen Team wurde wieder wie früher ein funktionierendes Team.

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Die Identität

Die Identität bildet sich im jungen Erwachsenenalter, Jugendalter aus und ist das Ergebnis von Suche und Entscheidung. Die Identität ist eng verbunden mit dem Selbstbild. Der Jugendliche möchte sich die Frage beantworten: Wer bin ich?

In der Zeit zum Erwachsenwerden müssen die Jugendlichen Entwicklungsaufgaben bewältigen, um eine stabile Identität zu entwickeln.

Dazu gehört:

Akzeptanz der eigene körperlichen Entwicklung

Die Geschlechterrolle finden

Emotionale Unabhängigkeit gegenüber den Eltern entwickeln- Abnabelung

Ausprägung der  Beziehungen zu Altersgenossen-Peergroup

Erste Aufnahme intimer Beziehungen

Berufliche Orientierung

Partnerwahl

Die eigene Familie planen

Soziale Verantwortung entwickeln

Ein persönliches Wertesystem entwickeln

Zu einer stabilen Identitätsausbildung gehört aber auch das Umfeld, wie Familie, Schule und Freunde. Werden die Jugendlichen in ihrem Erwachsenwerden gestützt, gestärkt und unterstützt, so werden sie ein positives und gestärktes Selbstbild entwickeln. Werden sie jedoch nicht unterstützt kann es zu Störungen in der Identitätsentwicklung kommen. Viele Symptome der Identitätsstörung zeigen sich im Selbstbild.  Sie haben ein mangelndes Selbstbewusstsein oder halten sich sogar für Versager. Sie sind häufig pessimistisch und ziehen sich zurück, oder sind d leicht beeinflussbar und sind abhängig von der Meinung anderer. Die Jugendlichen entwickeln möglicherweise ein Suchtverhalten (Drogen, Alkohol, Essstörung).

Dies kann möglicherweise auch zu noch größeren Störungen führen, wie z.B.  Magersucht, Depression oder Borderline. Aber auch auf der Beziehungsebene kann es zu Störungen der Identität kommen.

Auf der Beziehungsebene innerhalb der Familie kommt es zu Problemen, da die Eltern andere Vorstellungen haben als die Kinder oder auch Forderungen stellen, die die Kinder nicht erfüllen können. Es entsteht ein Leistungsdruck.

Ebene der äußeren Bedingungen

Auch gesellschaftlich stehen die Jugendlichen unter einem gewissen Druck. Sei es das Aufzeigen von Idealen in Bezug auf das Aussehen oder der Druck, dass man heutzutage etwas erreichen muss, um Ansehen zu bekommen. Das kann zu einer instabilen Identitätsentwicklung führen.

Karin Schuh, Wampelagentur

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